Betroffene

 

Kurzfilm „Flaschendrehen“


Eine Gruppe unseres Medienprojekts beschäftigte sich damit, welche verschiedenen Formen von Vorurteilen es gibt und gegen welche Personengruppen sie sich richten.
In ihrem Kurzfilm „Flaschendrehen“ werden Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Minderheiten, wie z.B. Homosexuelle, Menschen mit Behinderung, Menschen anderer Hautfarbe, Angehörige des Judentums und Menschen muslimischen Glaubens dargestellt. Außerdem wird verdeutlicht, wie schnell es gehen kann, dass man unbewusst (Vor)Urteile fällt und dass Betroffene selbst Vorurteile gegenüber anderen haben.
 

Web-App zu „Flucht“


Bei der interaktiven Reise handelt es sich um ein Web-App-Spiel, die die Gruppe selbst entwickelt, entwickelt und programmiert hat. Dabei muss der Spieler/die Spielerin für den Charakter Samuel Entscheidungen treffen.
Die Idee dazu kam durch den gemeinsamen Wunsch der Gruppe, ein Computerspiel zu gestalten, bei dem der Angesprochene durch eigene Entscheidungen das Schicksal eines anderen Menschen steuert. Der junge Somalier Samuel steht stellvertretend für zahlreiche Menschen, die nach Europa flüchten.
Was dieses Spiel nun mit Vorurteilen zu tun hat?
Gegenüber flüchtenden Menschen oder Menschen auf der Flucht gibt es zahlreiche Vorurteile. Mit dem selbst entwickelten Spiel sollen Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, mit welcher Einstellung sie Menschen begegnen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten.
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Texte zu weiteren Betroffenen-Gruppen


In der Gruppe, die sich um die Dokumentation und die Website kümmerte, entstanden außerdem sachliche Texte und Interviews sowie persönliche Berichte zu weiteren Betroffenen-Gruppen.

Sinti und Roma

Vorurteile können sich auch in Bezeichnung von Gruppen zeigen, z.B. bei Sinti und Roma. Die Volksgruppen, welche ursprünglich aus dem Nordwesten Indiens kommen, mussten immer gegen Isolation und Diskriminierung ankämpfen. Sie wurden jahrzehntelang abwertend als „Zigeuner“ bezeichnet und stigmatisiert. Auch wenn die Bezeichnung „Zigeuner“ inzwischen als Schimpfwort verurteilt wird, werden Sinti und Roma oft so bezeichnet.
Die Sinti und Roma zogen zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert in den Westen und kamen schließlich nach Europa. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie überwiegend durch handwerkliche Tätigkeiten, aber auch durch künstlerische Berufe. Die Sinti erreichten ab dem 14. Jahrhundert Westeuropa und somit Deutschland. Ihre Lage in Europa verschlechterte sich allerdings zunehmend ab dem 15. Jahrhundert:
Sie wurden verfolgt und verschleppt und es wurde ihnen zum Teil verboten, ihre eigene Sprache zu sprechen. Bis zum 18. Jahrhundert galten Roma in sämtlichen deutschen Gebieten als vogelfrei, auch im Rest Europas erging es ihnen nicht besser. Das Umherziehen, wofür sie oft bekannt sind, wurde überlebenswichtig. Im deutschen Kaiserreich, sowie in der Weimarer Republik und in den ersten Jahren der NS-Herrschaft war die sogenannte „Zigeunerplage“ alleiniges Tätigkeitsfeld der Polizei.
In der NS-Propaganda spielten Sinti und Roma erstaunlicherweise vorerst keine Rolle. Die Akteure, die „Zigeunerjagd“ betrieben, taten dies jahrelang in Eigeninitiative, bis sie vom Regime unterstützt wurden. Mit der Machtübernahme Hitlers wurde die ohnehin schon vorhandene Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma radikalisiert. Sie wurden aus dem Arbeitsleben ausgeschlossen, erhielten Schulverbot und Wohnungskündigungen, die privaten Plätze für die umherziehenden Sinti und Roma wurden durch Sammellager ersetzt.
Dies führte, ähnlich wie bei Juden, zu einer kompletten sozialen Isolierung. Im Anschluss bestand sogar die größte Gruppe von Inhaftierten in den ersten Konzentrationslagern aus Sinti und Roma.

Was ist Homophobie?

Diese Frage zu beantworten, ist nicht so einfach, wie man zuerst denkt. Homophobe Menschen haben mehrere Ängste und es gibt mehrere Ursachen.
Vorurteile, Stereotype, religiöse Überzeugungen, ein geringes Selbstwertgefühl, Verdrängung der eigenen Identität, eine geringe soziale Integration, Angst vor der Infragestellung zentraler Normvorstellungen und vieles mehr! Die Ängste der diskriminierenden Menschen werden allerdings nicht direkt spürbar, weshalb die These, dass Angst die Hauptursache für Diskriminierungen sei, für viele zunächst schwer nachvollziehbar ist. Homophobie ist leider allgegenwärtig in unserer Gesellschaft, genauso wie Stereotypen und Vorurteile. Doch indem gerade wir jungen Menschen umdenken und erkennen, dass Homosexualität etwas ganz Normales ist, können wir auch nachhaltig ein Umdenken erwirken. Es wird oft gefragt, warum sind Menschen homosexuell sind – aber die Frage, warum Menschen heterosexuell sind, fragen sich wenig. Mensch zu sein ist normal, da entscheidet nicht die sexuelle Identität und Orientierung.

Was ist Behindertenfeindlichkeit?

Die Behindertenfeindlichkeit beschreibt die Ablehnung und die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen. Dabei geht es nicht nur um die Ausgrenzung in gesellschaftlichen Verhältnissen, sondern z.B. auch darum, ob Schwangerschaften abgebrochen werden dürfen oder sollen, wenn ein Kind mit Behinderung zu Welt kommen kann.

Was ist Antisemitismus?

Unter dem Antisemitismus, der auch als Judenfeindlichkeit bezeichnet wird, versteht man die Ablehnung von Juden, aber auch die Schändungen von jüdischen Friedhöfen sowie die Leugnung des Holocausts. Der Antisemitismus reicht von Verleumdung, Unterdrückung, Ausgrenzung bis hin zum Völkermord in der Zeit des Nationalsozialismus.

Über die Begegnung mit Uwe

In Berlin haben wir uns im Rahmen des Projekts mit einem ehemaligen Obdachlosen getroffen. Er heißt Uwe, wird „niemals älter als 42 Jahre“ und hat uns mit einer zweistündigen Stadttour einen unvergesslichen Einblick in sein Leben als Obdachloser gegeben. Uwe gehört zu der Organisation „Querstadtein- Berlin anders sehen“ und führt die Tour „Draußen schlafen ist eine Kunst“ an. Dabei haben wir uns gemeinsam an verschiedene Orte begeben und von ihm spannende, mitreißende und auch traurige Geschichten erzählt bekommen. Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung begann sein Leben auf der Straße. Er erzählte uns von überlebenswichtigen Freundschaften, besonderen Schlafplätzen und von sehr emotionalen Geschichten in seinem Leben. Wir konnten auch unser Wissen in Bezug auf deutsche Geschichte ein wenig auffrischen und bekamen einen Einblick, wie sich diese Ereignisse auf Uwes Leben auswirkten. Er zeigte uns zahlreiche Überlebenskünste und die Möglichkeiten, Gegenstände anders als normal zu nutzen. Außerdem bekamen wir ein paar Tricks mit auf den Weg, die das Überleben auf der Straße erleichtern würde. Für mich persönlich waren es sehr bewegende Momente, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Der emotionale Höhepunkt war der Moment, als er uns vom Tod seines 5-jährigen Sohnes erzählte. Dieser kam durch einen tragischen Unfall bei einem Wohnungsbrand ums Leben. Die Nachricht erreichte Uwe nur durch Zufall beim Lesen einer drei Tage alten Zeitung. Dieses Ereignis war für Uwe ein riesiger Schicksalsschlag, den er bis heute nicht vollständig aufgearbeitet hat.
Natürlich erzählte er uns auch davon, wie er es letztendlich geschafft hat, einen Weg aus der Gosse zu finden. Er war Alkoholiker und hat gerne mal einen über den Durst getrunken. Mit einem Alkoholpegel von 3,8 Promille stürzte er eine Treppe herunter und zertrümmerte sich sein Sprunggelenk und das Schlüsselbein. Darauf folgte ein wochenlanger Aufenthalt im Krankenhaus. Dieser öffnete ihm die Augen und Uwe entschied sich, einen Entzug zu machen. Erfolgreich beendete er diesen und konnte mit der Hilfe einer Sozialarbeiterin, die ihn auf diesem Weg unterstütze, sein Leben umkrempeln. Er erzählte die Geschichte mit einer Leichtigkeit und machte an vielen Stellen deutlich, dass er den Verlauf seines Lebens in keiner Hinsicht bereut und es jederzeit wieder so machen würde.